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CEAGESP, Sao Paolo

Ideenwettbewerb für die Quartierentwicklung.

In Zusammenarbeit mit Marine Cobo.

2016

São Paulo hat ein extrem schnelles Bevölkerungswachstum erlebt, das zu einer beschleunigten Urbanisierung führte. Diese birgt heute verschiedene Probleme, insbesondere die Zäsur zwischen den beiden Ufern des Flusses Pinheiros – von denen eines deutlich benachteiligter ist als das andere – sowie den Mangel an Grünflächen. Entlang des Flusses Pinheiros finden sich hauptsächlich industrielle Aktivitäten, einige Parks und öffentliche Infrastrukturen, wie insbesondere die Universität von São Paulo. Das Areal des CEAGESP befindet sich am Ufer des Pinheiros; wir haben es als wichtigen Schritt in einem Prozess der Industrieverlagerung aus der Stadt hinaus in die Agglomeration betrachtet. Die Freigabe dieser Industriezone würde die Einrichtung kontinuierlicher Grünflächen entlang des Flusses ermöglichen und São Paulo so wieder ausreichend Natur zurückgeben. Anlässlich des Projekts „Parque do Tietê“ erklärte Oscar Niemeyer, dass ein Park, der den Fluss von einem Ende zum anderen flankiert, die einzige Möglichkeit sei, die Stadt mit der Natur zu versöhnen, und es der Metropole erlauben würde, ihre lebenswichtige grüne Lunge zu erhalten.

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Der Entwurf zielt darauf ab, die bestehenden Freiräume zu nutzen, um der Stadt São Paulo Parks, Freizeitmöglichkeiten und Sportplätze zu bieten. Die Renaturierung der Zonen erfolgt an der Stelle des alten Flussbettes, was eine erste Absorption von Hochwasser ermöglicht. Darüber hinaus wäre es absolut denkbar, ergänzend Rückhaltebecken innerhalb dieses grossen Naturraums hinzuzufügen und diese als in die Parklandschaft integrierte Wasserflächen zu konzipieren. Der Park bildet ein Bindeglied (Milieu) zwischen der Stadt und dem Fluss. Er existiert als Verhandlungsobjekt zwischen beiden Seiten. Die Neubebauung der nicht renaturierten Teile des Areals wird der Immobilienspekulation überlassen. Ein Teil der daraus resultierenden Erträge wird in den Bau und den Unterhalt des Parks sowie der Infrastruktur fliessen – in einem ähnlichen Rahmen, wie ihn die Operação Urbana Consorciada vorsieht. Dieses Projekt verfolgt eine Ambition des öffentlichen Interesses und besässe die Kraft, der Bevölkerung den Zugang zu einem angemessenen bürgerlichen Leben zu ermöglichen. Zudem erfolgt die Verdichtung dieser der Spekulation überlassenen Zonen automatisch, wie verschiedene Wohn- oder Büroprojekte in den angrenzenden Hochhäusern zeigen.

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Parallel zu dieser Umstrukturierung wird eine öffentliche Infrastruktur rechtwinklig zum Fluss Pinheiros implantiert, um die verschiedenen bestehenden Schichten des Areals zu durchbrechen und so die Stadt am linken und rechten Flussufer miteinander zu verbinden. Diese Infrastruktur verfolgt mehrere Ziele: Sie soll die verschiedenen Verkehrsnetze miteinander verknüpfen und erschliessen, aber auch und vor allem den sozialen Kontakt zwischen zwei bislang getrennten Teilen der Stadt ermöglichen – sie muss die Architektur der Demokratie für die Paulista-Gesellschaft sein. Das erste Obergeschoss des Gebäudes umfasst die gemeinschaftlichen Programme für Information, Bildung und Kultur sowie ein Bürgerzentrum, das beispielsweise ein Wahllokal beherbergt. Diese Einrichtungen sind in einer gerechten und für alle gleichen Demokratie unverzichtbar. Das soziale und politische Leben kann innerhalb dieses Gebäudes stattfinden, das selbstverständlich für alle zugänglich und offen ist. Schliesslich ermöglicht das Dach eine freie Zirkulation von einem Punkt zum anderen und dient so als Brücke, die das gesamte Areal überspannt. Die Monumentalität dieses Programms drückt sich in der Länge des Gebäudes aus. Es schafft grosszügige öffentliche Räume auf jeder seiner Seiten: Diese aneignungsfähigen Räume sind Orte der Meinungs-, Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit. Während die Linearität der Brücke eindeutig ist, ist ihre Ausrichtung im rechten Winkel auf Bodenniveau durchlässig, was eine freie Bewegung erlaubt. Auf diese Weise wird eine Vielzahl von Möglichkeiten zur Aneignung des Raumes für alle Arten von Ereignissen des täglichen Lebens geschaffen. Dieser gesamte, vorgesehene und beabsichtigte Zwischenraum zwischen der sich entwickelnden Stadt und dem Entwurf kann auch als ein Niemandsland, ein Ort des Durchatmens, verstanden werden.

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Der Entwurf umfasst die folgenden Elemente: eine Infrastruktur, welche die fehlenden öffentlichen Funktionen bereitstellt und zwei bislang geologisch getrennte Quartiere verbindet, eine Umstrukturierung der Flussufer, eine gesicherte Grünzone und schliesslich einen Ort der Aneignung an den Rändern der Infrastruktur – ein Niemandsland. Der Rest des Perimeters wird der natürlichen Stadtentwicklung und damit einer wahrscheinlichen städtischen Verdichtung überlassen, die von externen Investoren durchgeführt wird.

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