Textilmuseum, St. Gallen
Wettbewerb für den Umbau und die Aufstockung.
In Zusammenarbeit mit Morgane Roch, Vincent Hauser, Noel Annell
2020
Basierend auf der Semper’schen Theorie über den textilen Ursprung der Architektur nimmt die Aufstockung des Textilmuseums St. Gallen die Form eines „Ä tücheli ufem chopf“ („ein kleines Tuch auf dem Kopf“) an.
Das im grauen Siebdruck mit einem Spitzenmotiv bedruckte Polycarbonat krönt den Palazzo Rosso. Es krümmt sich, um die Fassade vor der Witterung zu schützen – wie ein Stoff, der den Kopf vor Sonne oder Regen schützt.
Die durch das Polycarbonat-Vordach filternde Sonne sowie die im Erdgeschoss hinzugefügten punktuellen Elemente – welche den Eingang und das zur Strasse hin orientierte Café signalisieren – erzeugen ein raffiniertes Schattenspiel auf der bestehenden Fassade. Diese filigrane Schattenspitze, die sanft durch das Licht projiziert wird, zeigt den Passanten, dass sie sich vor dem Textilmuseum St. Gallen befinden.
Die zeitgenössische architektonische Aneignung der Spitze durch das bedruckte Polycarbonat tritt in einen bewussten Kontrast zur historistischen Architektur des Palazzo Rosso. Ziel dieses Kontrasts ist es, das Textilmuseum St. Gallen in seinem Kontext des 21. Jahrhunderts neu zu definieren und seine Rolle als Kunstinstitution zu behaupten, die in einem kritischen Dialog mit ihrer Umgebung steht.
Das Museum erscheint nicht als isoliertes Objekt in der Stadt, sondern als Symbol der Schweizer Textilindustrie, dem diese moderne und elegante Aufstockung eine internationale Ausstrahlung verleiht.
Der Innenraum erhält eine zeitgenössische Atmosphäre durch vorhangähnliche, abgehängte Elemente, die unter der Holzstruktur der Aufstockung angebracht sind. Sie sind so konzipiert, dass sie die Besucher nicht von der Decke ablenken, sodass sich die gesamte Aufmerksamkeit auf die Exponate richtet. Dieses an Vorhänge erinnernde Aufhängungssystem ermöglicht es, auf einfache, leichte und raffinierte Weise verschiedene Bereiche innerhalb der grossen, durchgehenden Ausstellungsfläche von 520 m² zu schaffen.


